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Chronische Schmerzen und der Mobility-Ansatz

Veröffentlicht von m.lederer am

Ein kurzer Blogbeitrag zu meiner Arbeit mit Schmerzpatienten:

Vorab gilt es natürlich festzustellen, was eigentlich Schmerz genau ist. Es gibt – wie die meisten sicherlich schon einmal gehört haben – zwei Arten von Schmerzen. Akute und Chronische. Akute Schmerzen treten als Verletzungsfolge auf und bestehen nur zeitweise. Ist die Verletzung abgeheilt, so lässt im Normalfall auch der Schmerz wieder nach und verschwindet. Chronische Schmerzen unterscheiden sich von akuten Schmerzen vor allem dadurch, dass sie mehr von Gehirn und Nervensystem bestimmt wird. Per Definition dauert chronischer Schmerz immer sechs Monate oder länger an und kann entweder sporadisch auftreten, ständig bestehen oder nur in Ruhe oder bestimmten Bewegungen/Situationen entstehen und von aushaltbar unangenehm bis fast nicht auszuhalten stark sein.

Schmerz ist auch subjektiv. Jeder kennt sicherlich den ein oder anderen Menschen, der sehr überempfindlich oder sehr wenig empfindlich gegen bestimmte Schmerzen ist. Auch das kann aber variieren. Das heißt, dass beispielsweise jemand, dem Stöße gegen den Kopf (bspw. beim Boxen) wenig ausmachen, nicht unbedingt auch Kopf- oder Zahnschmerzen als weniger schmerzhaft wahrnimmt.

Das nur einmal vorweg. Nun zum Mobility-Training in Verbindung mit Schmerzen.

Meine Schüler – ich bin kein Arzt, deshalb nenne ich sie nicht Patienten – bringen oft chronische Schmerzen mit in die Erstberatung. Klar, nur weil einmal etwas zwickt, suche ich nicht gleich jemanden auf, der mir hilft. Und auch wenn, so ist der erste Gang dann meistens der zum Physiotherapeuten, der alleine auch in den allermeisten Fällen nur temporäre Lösungen anbieten kann. Ich versuche den Menschen zu erklären, dass es für Schmerzen keine 0-8-15-Anleitung gibt, da auch, wenn es wiederkehrende Muster und Schmerzbilder natürlich gibt, der Auslöser unbekannt sein kann oder in den meisten Fällen ist. Schmerzen resultieren meiner Erfahrung nach auch nicht aus einem einzelnen Grund heraus in chronische Leiden, sondern es gibt immer eine Verkettung an Umständen und unterschiedlichen Gegebenheiten. Beispielsweise Schonhaltung, Schiefstellung, Verklebungen, Verkürzungen, Entzündungen, anatomische Besonderheiten etc. sind hier gemeint.

Und diese Verkettung an Umständen muss herausgefunden und vom Schüler selbst nun behandelt werden. Eine Kombination aus aktiver Schmerztherapie und passiver – durch den Therapeuten oder erfahrenen Trainer – manueller Therapie kann selbstverständlich sinnvoll sein. Vor allem liegt es aber an der aktiven Arbeit, Schmerzfreiheit wiederzuerlangen. Und ich meine wirklich, dass ich in meiner Arbeit immer herausfinden muss, was es zu tun gibt, denn auch, wenn Menschen mit diagnostizierten Problemen wie Spreizfuß, Skoliose, schlechter Haltung, usw. zu mir kommen, heißt das nicht automatisch, dass die gestellte Diagnose auch die Ursache für die Schmerzen ist.

Schemata nach Korrekturübung 0-8-15 greifen nicht oder nur selten langfristig. Lehrbuchtechniken führen also oft zu Enttäuschung. „Wenn Übung X machbar ist, ist Problem Y nicht Ursache für Schmerz Z“… so oder so ähnlich ist es aber nicht! Auch Muskelfunktionstests eignen sich meiner Meinung nach nicht zur Behandlung und/oder Diagnose der Ursache von Schmerzen.

Mein Ansatz beim Mobility-Training mit meinen Schülern ist daher Folgender:

1. ) Bewegen! Und zwar nicht nur die schmerzende Region, sondern den ganzen Körper. Natürlich muss die schmerzende Stelle gesondert und kontrolliert bewegt werden und möglichst schmerzfrei die ROM (maximal möglicher Bewegungsumfang) erweitert werden, jedoch ist allgemeines Mobility-Training genauso wichtig, da „Querverknüpfungen“ (Dysbalancen, Fehlfunktionen, etc. in anderen Bereichen des Körpers) sich negativ auf die Schmerzen der betroffenen Region auswirken können.

2. ) In den schmerzenden Bereichen schmerzhafte Bewegungen vermeiden. Es darf ziehen und etwas unangenehm sein, aber es darf nicht weh tun. Hier arbeite ich mit einer subjektiven Schmerzskala von 1-10, die ich regelmäßig beim Kunden abfrage. Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler ist das A und O.

3. ) So viele verschiedene Bewegungen wie möglich und so oft variieren, wie es geht. Das Gehirn und das ZNS soll nicht nur eine einzelne, neue Bewegung wieder als ungefährlich und schmerzfrei einstufen, sondern möglichst alle Bewegungen aus der oder über die schmerzende Stelle hinweg! Das ist ganz wichtig, denn so versteht das Gehirn, dass auch eine Vielzahl an Bewegungen an der Schmerzstelle irgendwann nicht mehr als „gefährlich“ eingestuft werden muss und nicht nur einzelne Bewegungen keiner Schmerzreaktion bedürfen, sondern jede mögliche Bewegung in dem behandelten Gelenkwinkel oder der behandelten „Schmerzposition“.

4. ) Die verschiedenen Bewegungen auch bei erlangter Schmerzfreiheit weiter ausführen, variieren und perfektionieren, den Umfang des Mobility-Trainings nur langsam senken. Wir wollen nicht, dass die Schmerzen zurückkehren. Eine kontinuierliche Behandlung im Weiteren ist deshalb unbedingt nötig. Schafft man einmal eine gute Mobilität und eine gute Grundlage, so behalten wir diese aber auch bei, wenn wir auch irgendwann den Umfang der Mobilityeinheiten reduzieren und andere Sachen dann in den Fokus rücken.

5. ) Die verschiedenen Mobilityübungen in aktiver Muskelkontrolle und letztmöglichem Gelenkwinkel nach und nach mit erhöhter Belastung (bspw. in Form von Zusatzgewichten) durchführen.

6. ) Folgende Dinge können angenehm sein und auch förderlich in der Schmerztherapie: Hitze- (bspw. Sauna) und Kältebehandlung, Massagen (am besten von einem Physiotherapeuten), Entspannung wie beispielsweise Meditation oder auch wirklich bewusst erlebter Wellness-Urlaub.

7. ) Etwas Geduld braucht es eventuell, bis man sich an den richtigen Weg herangetastet hat, das ist aber normal – es gibt Lösung 0-8-15 nicht, wie gesagt – hat man den richtigen Weg aber gefunden tritt erfahrungsgemäß innerhalb der ersten 5 Trainingseinheiten die erste spürbare Verbesserung ein. Hier spielt wieder das Thema Kommunikation mit rein. Je besser der Lehrer ist, desto besser ist es dem Schüler möglich, den eigenen Körper zu verstehen und die aktuelle Situation mitzuteilen. Das ist einer der wichtigsten Punkte. Hole dir einen guten, qualifizierten Lehrer, der leidenschaftlich an die Sache herangeht, dir helfen will und nicht nur durch die Anzahl der Behandlungen immer mehr Geld verdienen möchte und kommuniziere mit ihm. Immer. Bei jeder Einheit. Sage ungefragt, wie du dich fühlst, wie sich der Körper anfühl, spreche Unangenehmes aus und teile am nächsten Tag mit, sollte die Belastung doch einmal zu hoch gewesen sein! So optimierst du deinen Erfolg!

 

Du hast auch Schmerzen und fragst dich, ob ich dir dabei helfen kann? Schreib einfach eine kurze Mail an info@pt-lederer.de