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Erfahrungsbericht: Unser Ansatz und die Folgen einer Latarjet-Operation

Veröffentlicht von m.lederer am

Heute möchte ich den gemeinsamen Weg eines Schülers und mir mit euch teilen. Es geht – wie der Titel schon verrät – über die Folgen einer Latarjet-Operation und wie wir die Probleme, Einschränkungen und Schwächen behandelt haben und noch behandeln. Doch erst einmal muss kurz erklärt werden, was eine Latarjet-OP eigenltich ist:

Diese Methode der Operation wird angewendet, wenn eine oder beide Schultern eines Menschen durch fehlende Knochensubstanz instabil ist/sind und als Folge davon bei den unspektakulärsten Bewegungen auskugelt/auskugeln. Bei der Latarjet-OP wird also ein Stück blockartiger Knochen aus dem Rabenschnabelfortsatz – gemeinsam mit den Sehnen innerhalb der Schulter – versetzt und mit Schrauben an der geschädigten Gelenkpfanne fixiert. Sehne und Knochen erweitern nun die Auflagefläche der Schulterpfanne, stabilisieren so und verhindern so ein erneutes Auskugeln der Schulter. So viel dazu…

Als mein Schüler dann ein Erstberatungsgespräch mit mir vereinbarte und mir die Geschichte der Operation erzählte und mir zeigte, wie sehr Mobilität, Flexibilität und Kraft eingeschränkt waren, mussten wir zeitnah handeln, denn die Operation lag bereits mehrere Monate zurück und es stellte sich trotz regelmäßiger vergangener Reha, Krankengymnastik und eigener Versuche nach bestem Wissen keine großartige Verbesserung ein. Je länger nichts passiert nach einer OP, desto länger dauert der Prozess bis zur Genesung dann. Wir entschieden uns also für zwei wöchentliche begleitete Trainingseinheiten von je 90 Minuten, da mein Schüler nicht nur das Ziel hatte, die Schulter wieder gesund zu bekommen, sondern auch seine allgemeine Fitness zu verbessern.
Im Rahmen unseres  Eingangschecks kamen, was die Schulter anging, folgende Probleme klar heraus: 1.) Rotationen des Arms in jedmögliche Richtung: sehr schmerzhaft, 2.) Arm weit nach oben strecken: sehr schmerzhaft, 3.) Reaktivkraft der Schultermuskulatur praktisch nicht mehr vorhanden 4.) Schultern nach vorne drücken: schmerzhaft, 5.) Stützpositionen: unmöglich, 6.) Schultermuskulatur durch Schonhaltungen und Nichtbelasten degeneriert, 7.) Als Automatismus ins Gehirn eingebrannte Ausweich- und Schonbewegungen, die langfristig alles nur noch schlimmer machen 7.) Unsicherheit als psychischen Faktor, der sich jedoch durchaus physisch auswirken kann

Wieder zu Hause angekommen, arbeitete ich ein Konzept für die sehr spezielle Situation meines Schülers aus. Ich entschied mich für eine sehr dynamische Herangehensweise, bei welcher ich so gut wie bei jedem Coaching neue Bewegungsabläufe integriere. Wir investierten vor allem in den ersten vier Wochen des Coachings sehr viel Zeit in Mobility-Training. Wir versuchten, in einem schmerzfreien Radius den möglichen Bewegungsumfang bei aktiver Muskelkontrolle zu vergrößern, wobei schmerzfrei nicht heißt, dass es nicht teilweise sehr unangenehm war. Aber das gehört einfach dazu. Da darf man sich auch nichts vormachen, denn nach einem solchen Eingriff wieder zu 100% Leistungsfähigkeit zu kommen, ist keine Sache, die sich nebenbei und innerhalb der persönlichen Komfortzone erreichen lässt.
Bereits nach etwas unter zwei Wochen kam eine Bewertung über die Feedback-Funktion herein. Sie war von meinem Schüler.

Hallo Marcel, gestern hat mir das Training sehr gut gefallen. Habe schon jetzt das Gefühl, dass meine Kraft zurückkommt und wir langsam aber sicher Gas geben können. Dir ein schönes WE.

Es waren wirklich erst ein paar Tage gewesen, die wir uns damit beschäftigten, immer den bestmöglichen Trainingsreiz zu finden. Die Mühe wurde 100 Mal belohnt. Ein Feuer entfachte in meinem Schüler, das ich spüren konnte, und nun wollte er mehr und mehr machen, was auch verständlich ist, aber hier ist ein guter Coach meiner Meinung nach auch dazu da, auszubremsen, wenn es nötig ist. Wir probierten verschiedene, komplexere Bewegungsabläufe aus, sowie auch schwierigere Übungen, jedoch gut und unter Aufsicht dosiert.

Im Laufe der nachfolgenden Einheiten reduzierte ich den Mobility-Teil auf ca. 30 Minuten pro Einheit und steigerte immer wieder, langsam und kontinuierlich die anderen Belastungen. Mehr Gewichte, komplexere Bewegungen, Stoßbelastungen. Nach nur einem Monat  war mein Schüler bereits wieder so weit, dass er schlagkräftig moderates Boxtraining mit mir absolvieren konnte. Wir trauten uns an eine leichtere Variante des Burpees (Strecksprung) heran, schlugen Tennisbälle gegen die Wand, rotierten mit fünf Kilogramm Zusatzgewicht in jedmögliche Richtung und es war bereits möglich, einigermaßen adäquat auf unerwartete Impulse zu reagieren. Auch der „Turkish Get Up“ mit besagter Fünf-Kilo-Hantel musste sich vor unserem Fortschritt geschlagen geben. Außerdem hat er sich nun einen Schlingentrainer besorgt und auch  das stellte sich als keine allzu große Herausforderung her. Sogar erste Schritte in Richtung active und passive Hang wurden erfolgreich unternommen.

  • Was die Trainingsintensität angeht, so haben wir uns zu Beginn in der ersten Hälfte der 90 Minuten sehr niedrig bewegt und ich habe mehr Augenmerk auf eine korrekte Ausführung. In der zweiten Hälfte bzw. der letzten halben Stunde gaben wir dann nach den ersten zwei Wochen doch schon einmal mehr Gas und powerten uns aus. 
  • Wir übten auch Mobility-Übungen mit der „gesunden“ Körperseite, um das zentrale Nervensystem auf die Bewegung einzustimmen, die die „geschädigte“ Seite schaffen soll. Es gibt Querverknüpfungen und Zusammenhänge, die es zu beachten gilt. Wenn du nicht alle kennst, versuche immer ganzheitlich zu trainieren. Also alles. Mobility jeder Gelenke, Kräftigung aller Muskeln, Koordination, Reaktion, Gleichgewicht, Körpermitte, usw. usw. 
    Dieses Nicht-Beschränken trägt maßgeblich zum Erfolg meines Konzeps mit‘ 
  • Als Hilfsmittel für unser Training haben wir benutzt: einen 80cm langen Gymnastikstab, Tennisbälle, zwei Ein-Kilo-Hanteln, zwei Fünf-Kilo-Hanteln, einen Schlingentrainer 
  • Wir haben so viele verschiedene Arten und Weisen wie möglich ausprobiert, von der Schulter und dem ZNS immer und immer wieder neue Bewegungen zu fordern und das hat extrem viel gebracht
  • Wenn ein Ablauf ohne Zusatzgewicht zu leicht wurde, haben wir entweder einen neuen Ablauf integriert oder Zusatzgewichte aufgeladen. Wenn etwas gut geht, mache das Nächste. Fordere dich selbst heraus, auch wenn du keinen (guten) Coach haben solltest
  • Setze Ziele hoch! Mein Ziel mit meinem Schüler ist die beste Form seines Lebens zu erreichen und nicht etwa, die Schulter-OP und deren Folgen zu überwindem

Wichtig (!) hier an dieser Stelle ist mir, nochmal zu betonen, dass all diese Dinge zwar mittlerweile (wieder) machbar sind, jedoch viele der Bewegungen noch sehr unangenehm für meinen Schüler sind. Wir arbeiten also noch immer an der „Baustelle“ und werden das sicherlich auch noch einige Zeit tun, aber wir arbeiten schon jetzt – es sind mittlerweile elf absolvierte Trainingseinheiten und der schnelle Fortschritt hat sogar mich überwältigt. Wir haben gemeinsam alles richtig gemacht. Mein Schüler hat immer sofort Feedback gegeben, wie sich etwas anfühle und ich konnte so optimal auf die Situationen und die Bedürfnisse meines Schülers reagieren. Ich möchte hier keine Werbung machen, sondern kostenlos informieren, doch es ist mir sehr (!) wichtig, jedem, der das hier liest, ans Herz zu legen:

Antiquierte Physiotherapie bringt nichts nachhaltig, sondern nur temporäre Verbesserung. Die Krankengymnastik bringt insofern auch nichts, da mein Schüler hier sehr passiv und manuell vom Therapeuten bearbeitet wurde. Wenn du dir Unterstützung holst, dann aber auch die beste, die du kriegen kannst. Ich sage nicht, dass die ganzen Ansätze der Behandlungen sinnlos waren, nein. Ich sage, viele Methoden sind bereits überholt oder führen isoliert zu keinem oder nur einem schlechten Ergebnis, werden aber leider noch so gelehrt, weil die Menschen anscheinend keine Lust haben, auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein und sich fortzubilden, weiterzuentwickeln.
Sie ist dynamisch, die Arbeit am Menschen. Ein wirklich guter Coach muss Puzzlestücke zusammenfügen, probieren, herantasten, kommunizieren, scheitern, weitermachen. Nicht nach „Schema F“ arbeiten, denn dann kommt so etwas herum, wie die unnötige, monatelange Tortur meines Schülers. Er muss seinen Schüler verstehen und seine aktuelle Form lesen können.

Mein Schüler ist jetzt schon an einem Punkt angelangt, wo nicht mehr die Einschränkungen im Vordergrund stehen, sondern der Ehrgeiz und DAS ist in dem Fall das Schönste, was passieren konnte.


Abschließend möchte ich jedem, der diesen Blog hier liest, anbieten, sich unverbindlich von mir persönlich, am Telefon oder per Mail beraten zu lassen. Nur keine Scheu! Wir kriegen gemeinsam jedes Problem in den Griff!

Danke für’s Lesen!

Servus
Dein Marcel